• No Products in the Cart

Es gibt die einen Autor*innen, die sich noch vor dem Morgengrauen aus dem Bett schleichen und an ihren Schreibtisch zurückziehen, während die Welt noch im Schlaf liegt. Und es gibt die anderen, die erst in den späten Abendstunden beginnen. Oft bringen sie ihre Schreibzeit irgendwo zwischen Arbeit und Alltag unter. Doch anstatt die Zeit zufällig zu wählen, sollte das Schreiben zum Rhythmus der inneren Uhr passen.

 

Energie und Leistungsfähigkeit im Tagesverlauf

Daniel H. Pink sucht in seinem Buch When nach dem richtigen Zeitpunkt: für Anfänge, Pausen und Enden. Was er dabei herausfindet, lässt sich auf verschiedene Tätigkeiten übertragen und damit auch der beste Zeitpunkt fürs Schreiben bestimmen.

Im Laufe eines Tages schwankt unsere Stimmung und Leistungsfähigkeit. Studien zeigen, dass diese Schwankungen immer dem gleichen Muster folgen und sich Tag für Tag wiederholen. Für die meisten Menschen gilt: Auf den Höhepunkt am Vormittag, an dem die Konzentration am höchsten ist, folgt der Tiefpunkt und darauf eine Erholungsphase.

 

Eigenschaften von Eulen und Lerchen

Welchem Muster der Tagesverlauf folgt, hängt davon ab, ob wir ein Morgenmensch, Nachtmensch oder eine Mischung aus beidem sind. Oder, um es mit den Fachbegriffen aus der Chronobiologie zu sagen: ob wir Lerche, Eule oder Normvogel sind.

Wer zum Chronotyp der Lerche gehört, ist ein Frühaufsteher. Ihr Tagesablauf folgt dem Muster: Höhepunkt – Tiefpunkt – Erholung. „Bei den meisten von uns erreicht die Fähigkeit, klug und analytisch zu denken am späten Vormittag oder um Mittag herum ihren Höhepunkt“, schreibt Daniel H. Pink. 

Eulen sind Nachtmenschen und kommen morgens nur langsam in die Gänge. Ihre Leistungskurve verläuft genau umgekehrt: Erholung – Tiefpunkt – Höhepunkt. Die meiste Energie und Konzentration haben sie in den Abendstunden.

Welcher Chronotyp bist du? Mit diesem Test findest du heraus, ob eine Lerche oder Eule in dir schlummert.

 

Welche Aufgaben zu welcher Tageszeit?

Wenn du weißt, zu welchem Chronotyp du gehörst, solltest du deine Aufgaben im Rhythmus deiner inneren Uhr erledigen. Daniel H. Pink schreibt von Synchronizität, also das “Chronotyp, die Aufgabe und das Ziel zusammenpassen” sollten.

Studien haben gezeigt, dass analytische Aufgaben am besten in Hochleistungsphasen gelöst werden können, während es sich mit kreativen Aufgaben genau umgekehrt verhält.

Dahinter steckt das Inspiration-Paradox. Es bedeutet, dass „Innovation und Kreativität dann am größten sind, wenn wir nicht auf unserer Höhe sind, zumindest, was unseren Tagesrhythmus angeht“, so zitiert Daniel H. Pink eine Arbeit von Hasher, Zacks und May.

Zusammengefasst heißt es: Für Morgenmenschen liegt die optimale Zeit zum Schreiben in den Abendstunden und für die Nachtmenschen am Morgen.

In der Übersicht sieht die beste Tageszeit wie folgt aus:

 

 LercheNormvogelEule
Analytische Aufgabenfrüher Morgenfrüher Morgen bis Vormittagspäter Nachmittag und Abend
Kreative AufgabenSpäter Nachmittag / früher AbendSpäter Nachmittag / früher AbendMorgen

 

Das bedeutet natürlich nicht, dass du dich deinem Schreibprojekt nur einmal am Tag widmen kannst, denn rund um das Schreiben gibt es jede Menge analytische Aufgaben, wie zum Beispiel:

  • Texte überarbeiten
  • Plot und Handlung entwickeln
  • Schreibplan aufstellen
  • Outline und Struktur schreiben
  • Recherche
  • Fremde Texte analysieren

 

Rituale und Tagesabläufe von Künstlern

Wenn du dich fragst, wann und wie andere Autor*innen arbeiten und schreiben, dann gibt Musenküsse erstaunliche Einblicke. Mason Currey hat in zwei kleinen, feinen Büchern die Rituale und Arbeitsroutinen berühmter Künstler gesammelt. Hier lässt sich herauslesen, wer zu den Lerchen und wer zu den Eulen gehört. Doch entscheidender ist: Es ist nicht die Muse und das Warten auf Inspiration, das die Künstler zu Künstlern macht, sondern ihre Routine und Beständigkeit.

 

Mit dem Schreibtagebuch die beste Schreibzeit finden

Um deine Schreibroutine zu überprüfen und herauszufinden, wann dir das Schreiben leicht fällt, solltest du deine Schreibzeiten in einem Schreibtagebuch dokumentieren. Das kann ein Eintrag im Kalender oder Notizbuch sein oder eine Tabelle in einer digitalen Datei. Hier solltest du Folgendes notieren:

  • Datum
  • Zeit: Beginn und Ende deiner Schreibeinheit
  • Anzahl der Wörter
  • Ort
  • An welchem Schreibprojekt du geschrieben hast
  • Notizen: Was lief gut und was nicht, wie hast du dich gefühlt, woran hingst du fest und warum, was hat dich abgelenkt?

Teste verschiedene Zeiten und werte deine Einträge aus und schon kommst du deiner perfekten Tageszeit zum Schreiben näher.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Currey, Mason (2014): Musenküsse. Kein & Aber: Zürich.

Currey, Mason; Frank, Arno (2015): Mehr Musenküsse. Kein & Aber: Zürich.

Pink, Daniel H. (2018): When: Der richtige Zeitpunkt. Ecowin: Salzburg.

/ Lesezeit: 3 Minuten
Ann-Christin

Ann-Christin

Ann-Christin (*1988) ist Redakteurin von Federschrift. Sie studierte Literaturwissenschaft, veröffentlichte Kurzprosa und nahm an Schreibwerkstätten teil. Bis heute schreibt sie in allen Lebenslagen und will hier zum Schreiben inspirieren und mit Stories unterhalten.

VIELLEICHT GEFÄLLT DIR AUCH...

WAS DENKST DU?