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Creative Writing (dt.: Kreatives Schreiben) blickt in den USA auf eine lange Tradition zurück. Seit mehr als 100 Jahren wird die Kunst des Schreibens dort an Universitäten unterrichtet. Doch was geschieht hinter den verschlossenen Türen der Workshops? Und wie unterscheiden sie sich von Kursen im Kreativen Schreiben im deutschsprachigen Raum?

Was ist Creative Writing?

Die eine Definition von Creative Writing gibt es nicht. Wikipedia definiert es allgemein zutreffend: “Kreatives Schreiben ist eine Bezeichnung für Schreibansätze, die davon ausgehen, dass Schreiben ein kreativ-sprachlicher Prozess ist, zu dem jeder Mensch methodisch angeleitet werden kann.”

Creative Writing im amerikanischen Verständnis ist auf das Lernen von Techniken des literarischen Schreibens ausgelegt. Kreatives Schreiben entstand in Deutschland während der Schreibbewegung der 1970er Jahre. Hier stand Schreiben als Selbsterfahrung im Vordergrund, doch hat sich mit der Zeit für Theorie, Methodik und Didaktik geöffnet. “Der Schreibbewegung war dabei klar, dass Kreatives Schreiben als Unterhaltung, Selbstverständigung, Selbsttherapie ebenso nützlich ist, wie zur Aneignung von Schreib-Handwerkszeug”, so Schreiblehrer Lutz von Werder(1).

In Schreibkursen, Werkstätten und Workshops an der vhs oder bei privaten Anbietern findet sich hierzulande eine Mischung aus beidem: Übungen, die zum Schreiben anregen und Schreibhandwerk, das vermittelt wird.

Wie wird Creative Writing in den USA gelehrt?

Programme zum Creative Writing gibt es in den USA an fast allen Universitäten. Meist unterrichten es Schriftsteller. Mit 16 Zeitschriften zum Kreativen Schreiben und über 350 Studiengänge hat die USA ein vielfältiges Angebot und eine ausgeprägte Schreibforschung(1).

Der bekannteste Studiengang ist der Iowa’s Writers Workshop an der State University of Iowa. Gegründet 1936 war er der erste Kurs seiner Art, den man mit einem Uni-Abschluss verlassen kann, dem Master of Fine Arts. Dieser Workshop wurde zum Modell für viele weitere Kurse und Master-Programme.

Ein Blick auf die Webseiten der Universitäten, in die Vorlesungsverzeichnisse und Erfahrungsberichte der Teilnehmer verrät, dass die Workshops folgende Methoden gemeinsam haben:

  • Lesen, lesen, lesen
  • Produktive Auseinandersetzung mit Literatur
  • Austausch und Kritik in der Gruppe
  • …und natürlich: Schreiben

Aus der Literatur lernen

Creative Writing ist in den USA entstanden, um die Literaturwissenschaft um einen Praxisbezug zu ergänzen(2). Daher ist die Auseinandersetzung mit Literatur und die Entstehung eines Textes ein wichtiger Baustein, um das literarische Schreiben zu vermitteln.

Denk einmal daran, wie Schriftsteller früher ohne Kurse ihr Handwerk erlernt haben. Sie haben ihre Vorbilder imitiert und mit ihren Texten auf bestehende Literatur geantwortet.

Die wichtigsten Lektionen für das eigene Schreiben lernst du in der Lektüre anderer Autoren. Schau dir die Passagen an, die du brauchst, um dein eigenes Schreiben weiterzuentwickeln, z. B. wie Anfang und Ende gestaltet sind, wie ein bestimmter Erzählton erzeugt wird, wann welche Erzählperspektive gewählt wird, wie Dialoge, Rückblenden etc. geschrieben sind.

Mit der Hilfe von Literaturlisten und einer reader’s response kannst du Bücher gezielt unter bestimmten Schwerpunkten lesen.

Literaturlisten und Leselisten

Jeder Creative-Writing-Studiengang hat seine eigenen Literaturlisten mit Romanen, Gedichten und Kurzgeschichten, die die Student*innen während des Semesters lesen. Hierzulande geben Zeitungen regelmäßig Leselisten heraus (z. B. die SZ-Bibliothek der Süddeutschen Zeitung, Klassiker der Weltliteratur oder einfach Bücher, die man gelesen haben muss) und nahezu jedes Germanistik-Institut hat seine eigene Liste online gestellt.

Tipp: Erstelle eine persönliche Leseliste, die auf deine Schreibziele und dein Genre abgestimmt ist. Sie sollte eine gute Mischung aus Klassikern und zeitgenössischen Titeln enthalten.

Reader’s Response

Jesse Falzoi erzählt in ihrem Schreibratgeber Creative Writing davon, dass sie während ihres Master-Programms zu jedem gelesenen Text eine reader’s response geschrieben hat. Das ist die Antwort eines Lesers auf einen Text, um herauszufinden “was ich für mein eigenes Schreiben lernen konnte” so Falzoi(3).

Eine solche Antwort reflektiert die Leseerfahrung: Wie wirkt der Text und was macht er mit mir als Leser? Und warum? Inwiefern spielt meine eigene Erfahrungen beim Lesen des Textes eine Rolle? Welche Erwartungen habe ich an den Text, wurden sie erfüllt oder in eine andere Richtung gelenkt. Wo hat mich der Text überrascht?

Tipp: Schreibe für jeden Text auf deiner Leseliste eine reader’s response von drei bis fünf Seiten. Hier ist ein Beispiel für ein Reader’s Response von Jesse Falzoi.

Über eigene und fremde Texte sprechen

Woche für Woche erhalten die Student*innen die Aufgabe, Texte zu lesen und selbst zu schreiben. In jeder Sitzung steht ein anderer Text eines Teilnehmers im Mittelpunkt, den die Gruppe unter die Lupe nimmt. Sie diskutieren Inhalt, Handwerk, Wortwahl, Sprache, Form, Anspruch, Wirkung und die Frage: Funktioniert der Text? Der Verfasser darf sich erst zum Schluss zur Kritik äußern.

Tipp: Diese Form der Textarbeit und Textkritik findet sich selten in Kreatives-Schreiben-Kursen. Bist du Teil einer Schreibgruppe? Dann probiert es aus, schickt euch gegenseitig eure Texte, verseht sie mit Kommentaren und besprecht sie gemeinsam. Verständigt euch zuvor darauf, welche Maßstäbe ihr an einen Texte anlegt.

Welche Erfahrung hast du gemacht?

Wie verbesserst du dein Schreiben? Besuchst du regelmäßig Kurse? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

 

Quellen und weiterführende Literatur

1 Hansen, Jan-Christian (2015): Das Dilemma des Schreibunterrichts in Deutschland: Wenn für Schreiben im Deutschunterricht kein Platz ist. disserta Verlag: Hamburg.
2 von Werder, Lutz (2013): Lehrbuch des Kreativen Schreibens. marixverlag: Wiesbaden.
3 Falzoi, Jesse (2017): Creative Writing: Texte und Bücher schreiben. Der neue Kreativ-Schreiben-Kurs in sechzehn Lektionen. Autorenhaus: Berlin.

/ Lesezeit: 4 Minuten
Ann-Christin

Ann-Christin

Ann-Christin (*1988) ist Redakteurin von Federschrift. Sie studierte Literaturwissenschaft, veröffentlichte Kurzprosa und nahm an Schreibwerkstätten teil. Bis heute schreibt sie in allen Lebenslagen und will hier zum Schreiben inspirieren und mit Stories unterhalten.

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